Insekt des Jahres 2017

Die Gottesanbeterin

Das vordere, mit Dornen bewehrte Beinpaar ist zu zwei Fangbeinen umgebildet. Diese werden in Ruhestellung vor dem Körper gehalten und erinnern an zum Gebet erhobene Arme. Diese Haltung brachte dem Insekt seinen Namen ein. Der sehr bewegliche, dreieckige Kopf trägt zwei große Facettenaugen, deren bemerkenswerte Sehfähigkeit ebenfalls ein typisches Merkmal für diesen auf optische Reize ausgerichteten Räuber ist.
Die Gottesanbeterinnen, auch Fangschrecken genannt, sind wärmeliebende Insekten. Sie bilden die taxonomische Ordnung Mantodea, die weltweit rund 2500 Arten umfasst und überwiegend in den Tropen und Subtropen verbreitet ist.
Aus Afrika stammend hat sich die bis zu 75 mm lange Mantis religiosa als einzige Art der Fangschrecken über den Mittelmeerraum hinaus nach Norden bis über die Alpen ausgebreitet. Sie ist von den gemäßigten Breiten West-, Mittel- und Osteuropas über weite Teile Asiens und somit über drei Kontinente verbreitet. Von europäischen Auswanderern wurde sie außerdem Ende des 19. Jahrhunderts in den USA und im südlichen Kanada eingeschleppt, sie fehlt aber in Südamerika und Australien.
In Mitteleuropa ist Mantis religiosa, bedingt durch die Klimaerwärmung, seit Ende des 20. Jahrhunderts auf dem weiteren Vormarsch Richtung Norden. In Österreich, der Schweiz und Süddeutschland kommt sie seit langem in den Wärmegebieten vor, aus denen sie sich aktuell stark nach Norden ausbreitet, so dass sie mittlerweile in allen deutschen Bundesländern mit Ausnahme von Niedersachsen und Schleswig-Holstein gefunden wurde. In Mitteleuropa befindet sich aktuell das höchstgelegene bisher bekannte Vorkommen in der Schweiz bei Visperterminen auf über 1450 m NN.
Den Lebensraum dieses Insekts bilden sonnige, trockenwarme, meist in Südlage gelegene Gras- und Buschlandschaften, Halbtrockenrasen und Ruderalflächen mit lockerer Vegetation und ausreichendem Nahrungsangebot. Durch die Erhaltung dieser Lebensräume können die Bestände dieses faszinierenden Insektes gesichert und sogar gefördert werden.

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Fotos: © Johannes Gepp

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