Wildbienengerechte Nisthilfen

Worauf es ankommt

Der Begriff „Insektenhotel“ ist missverständlich, da diese Konstruktionen vorrangig Nisthilfen sind, die als Brut- und Entwicklungsstätte für Wildbienen dienen, in denen die fertigen Bienen bis zum Frühjahr auf den Schlupf warten. Deshalb ist die Bezeichnung „Nisthilfe“ treffender. Die meisten Wildbienenarten leben solitär, also nicht in Völkern wie Honigbienen. Jedes Weibchen sorgt allein für ihren Nachwuchs. In der Natur finden diese Insekten jedoch immer weniger geeignete Nistplätze. Künstliche Nisthilfen können hier Ersatz bieten – vorausgesetzt, sie sind richtig gebaut und platziert. Von den rund 700 in Österreich heimischen Wildbienenarten zählen etwa 19 Prozent zu den sogenannten Hohlraumbrütern. Sie legen ihre Brutzellen in vorhandenen Hohlräumen an, etwa in alten Käferfraßgängen in Totholz oder in hohlen Pflanzenstängeln. Einige dieser Arten nehmen auch künstliche Nisthilfen an. Besiedelt werden sie von etwa 25 Wildbienenarten, vor allem von häufigen Arten wie der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis), der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) oder der Gemeinen Löcherbiene (Heriades truncorum).

Die richtige Bauweise ist entscheidend

Damit Wildbienen eine Nisthilfe annehmen, kommt es vor allem auf Material und Verarbeitung an. Geeignet sind abgelagerte Harthölzer wie Buche oder Eiche sowie Schilf- und Bambusrohre. Diese Materialien ahmen die natürlichen Niststrukturen am besten nach. Ungeeignet sind Weichhölzer, Kiefernzapfen, Stroh oder Laub. In solchen Füllmaterialien siedeln sich häufig räuberische Spinnen oder Ohrwürmer an, die die Brut der Wildbienen gefährden. In Hartholz werden Löcher mit unterschiedlichen Durchmessern gebohrt, idealerweise zwischen drei und zehn Millimetern, wobei kleinere Durchmesser überwiegen sollten. Gebohrt wird ins Längsholz, also quer zur Maserung, nicht in die Stirnseite. Auch Stamm- oder Holzblöcke eignen sich. Wichtig ist, dass das Bohrmehl vollständig entfernt wird und die Eingänge glatt sind. Schilf- und Bambusrohre sollten mindestens zehn Zentimeter lang sein. Die Schnittkanten müssen sorgfältig geschliffen werden, da sich die Bienen sonst beim Ein- und Ausfliegen die Flügel verletzen können. Bei Bambus ist zudem das innenliegende Mark zu entfernen. Die Röhren werden in einem stabilen Rahmen gebündelt, dessen Rückseite stets verschlossen sein muss. Zum Schutz vor Fressfeinden empfiehlt sich an der Vorderseite ein feines Maschengitter im Abstand von etwa 3 cm anzubringen. Ohne diese Sicherung picken Vögel wie Meisen oder Spechte die Brut aus den Röhren.

© Gabriele Hubich

Standort: geschützt und stabil

Eine Nisthilfe wird entweder an einer Mauer oder auf einem festen Holzpfosten montiert. Sie muss stabil befestigt sein und darf keinesfalls im Wind schwingen, da Wildbienen solche Plätze meiden. Der Standort sollte trocken, regen- und windgeschützt sein, ohne sich stark aufzuheizen. Erfahrungen des Naturschutzbundes von vielen Dutzend Nisthilfen, aufgestellt an verschiedenen Standorten, wie Wiesen, Waldrändern oder in urbanen Gebieten, zeigen, dass die Himmelsausrichtung eine untergeordnete Rolle spielt, allerdings kann pralle Mittagssonne zu Überhitzung und zu Verlusten bei der Brut führen. Der Anflugbereich muss frei bleiben, Äste oder Blätter dürfen den Zugang nicht versperren. Die Nisthilfe bleibt ganzjährig im Freien, da die Entwicklung der Brut über mehrere Jahreszeiten hinweg erfolgt.

Ohne Nahrung keine Gäste

Ebenso wichtig wie die Nisthilfe selbst ist das Nahrungsangebot in ihrer Umgebung. Viele Wildbienenarten fliegen nur wenige hundert Meter zwischen Nistplatz und Futterpflanzen. Fehlen geeignete Blüten, bleibt auch die Nisthilfe unbesiedelt. Empfehlenswert sind heimische Gehölze wie Weißdorn, Weide oder Schlehe sowie blütenreiche Wildpflanzen und Kräuter. Besonders gut geeignet sind unter anderem Wiesen-Salbei, Wicken, Skabiosen und Natternkopf, sowie alle Gewürzkräuter. Sie liefern reichlich Pollen und Nektar und sichern die Versorgung der nächsten Wildbienengeneration.

Ein Blick ins Innere der Nisthilfe

Die in Nisthilfen lebenden Wildbienen und auch einige Wespenarten sind Einzelgänger. Nach der Paarung im Frühjahr oder Frühsommer beginnt das Weibchen mit dem Nestbau. In eine Röhre trägt es zunächst Pollen und Nektar als Nahrung ein, legt darauf ein Ei und verschließt die Zelle mit einer Trennwand. So entstehen mehrere Brutzellen hintereinander, bis die Röhre gefüllt ist. Am Ende wird der Eingang sorgfältig verschlossen – oft artspezifisch, sodass geübte Beobachter Rückschlüsse auf den Bewohner ziehen können. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich vom eingelagerten Futter ernähren. Nach mehreren Entwicklungsstadien verpuppen sie sich und überwintern als Puppe oder bereits fertiges Insekt in der Röhre. Im darauffolgenden Jahr schlüpfen sie und der Kreislauf beginnt von Neuem.

© Gabriele Hubich

Der Naturschutzbund hat auf eigenen Flächen bereits dutzende Nisthilfen aufgestellt und im Rahmen des Biodiversitätsfonds Projektes HO03 voriges Jahr weitere zahlreiche großformatige Wildbienen-Nisthilfen in verschiedenen Lebensräumen errichtet – von Wiesen und Wäldern bis hin zu städtischen Bereichen. Die stabil auf Holzpfosten montierten Nisthilfen sind in unterschiedliche Himmelsrichtungen ausgerichtet und sollen neue Erkenntnisse über Wildbienenarten, ihre Nutzung der Nistangebote und Besiedelung je Lebensraum bringen- allerdings gibt es noch keine Förderung für ein derartiges Forschungsprojekt.

Bauanleitung: Wildbienen-Nisthilfe

1. Material

Außenkonstruktion

  • Trockenes, unbehandeltes Holz mit ca. 20 mm Brettstärke
  • Alternativ: einheimisches Hartholz (z. B. Eiche, Obstholz) für höhere Haltbarkeit
  • Wasserdichtes, UV-beständiges Dach, z. B. mit Dachpappe oder LKW-Plane
  • Schrauben, Hasendraht (als Vogelschutz)

Nistmaterial

  • Abgelagertes, entrindetes Hartholz (Eiche, Buche, Ahorn, Esche, Obstholz)
  • Hohle Pflanzenstängel oder Halme (Bambus, Schilf, Naturstroh)

Werkzeug

  • Holzbohrer (2–10 mm Durchmesser), idealerweise Standbohrer
  • Schleifpapier
  • Säge oder Gartenschere

2. Bau des Holzrahmens

  • Einen stabilen Kasten oder Rahmen bauen, der mehrere Fächer aufnehmen kann.
  • Das Dach leicht überstehen lassen und wasserdicht abdecken.
  • Die Nisthilfe fest montieren (nicht frei aufhängen oder baumeln lassen).

2. Nistgänge aus Holz

  • In Hartholzblöcke oder Holzscheiben waagrechte Bohrgänge bohren:
    • Durchmesser: 2–9 mm (Schwerpunkt 3–6 mm)
    • Tiefe: 6–10 cm
  • Nicht durchbohren – die Gänge müssen hinten geschlossen sein.
  • Bohrungen quer zur Faser (Längsholz) setzen, nicht ins Stirnholz, um Risse zu vermeiden.
  • Mindestabstand zwischen den Löchern: 1–2 cm.
  • Bohrlochöffnungen sorgfältig glatt schleifen, Bohrstaub entfernen
  • Kein Weichholz oder Nadelholz für Bohrgänge verwenden (Fasern, Harz).

3. Hohle Stängel und Halme

  • Stängel auf 10–20 cm Länge kürzen (etwas kürzer als die Rahmentiefe).
  • Schnittkanten glatt schleifen.
  • Eventuell vorhandenes Mark entfernen (bei Hohlstängeln).
  • Waagrecht und dicht an dicht in ein Fach, einen Holzkasten oder eine Dose legen.
  • Bei Bambus: Die natürliche, geschlossene Seite (Knoten) nach hinten ausrichten.

4. Schutz und Aufstellung

  • Vorderseite mit Hasengitter sichern (Abstand zum Nistmaterial lassen).
  • Sonniger, trockener Standort, wettergeschützt und mindestens 50 cm über dem Boden.
  • Nisthilfe ganzjährig im Freien lassen und nicht reinigen.

Richtig gebaut und gut platziert, werden wildbienengerechte Nisthilfen so zu wertvollen Lernorten – für Menschen ebenso wie für die nächste Generation dieser faszinierenden Bestäuber. Wer keine Nisthilfe selbst bauen möchte, kann auf Modelle aus dem Shop des Naturschutzbundes zurückgreifen: Zum Shop

Erhältlich im Shop © Manfred Pölzlbauer

Titelfoto: © Gabriele Hubich

Februar 2026

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