Für das Verbot von Privatfeuerwerken

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Stellen Sie sich eine kalte, dunkle Winternacht vor. Stellen Sie sich vor, Sie schlafen friedlich. Plötzlich bricht um Sie herum die Hölle los. Es kracht und zischt in einer Lautstärke, die Ihnen körperliche Schmerzen bereitet. Lichtblitze erhellen die Nacht, und der durchdringende Geruch von Feuer liegt plötzlich in der Luft…

Nein, das ist kein Augenzeugenbericht aus einem Kriegsgebiet, sondern für viele Tiere jedes Jahr zu Silvester schreckliche Realität. Und manche dieser Tiere überleben diesen Schrecken, den wir Menschen „Feuerwerk“ nennen, nicht. Manche sterben buchstäblich vor Schreck, andere verletzen sich in Panik und sterben qualvoll an ihren Verletzungen. Die Silvesterbräuche mancher Menschen sind für manche Tiere ein Todesurteil.

Haben Sie schon einmal an einem Neujahrsmorgen einen Spaziergang gemacht? Ja? Und haben Sie dabei die Unmengen von Müll gesehen, die sich bei einem Feuerwerk über die Landschaft verteilen, und zwar noch weit über das Grundstück hinaus, auf dem das Feuerwerk stattgefunden hat? Die sichtbar herumliegenden Teile wie Holz, Karton und größere Kunststoffteile lassen sich aufsammeln, doch der mikroskopisch kleine bis unsichtbare Teil verbleibt in unserer Umwelt. Freisetzungen von Mikroplastik und Feinstaubemissionen werden auch durch Feuerwerke verursacht, und selbst wenn in den einzelnen Raketen jeweils nur wenige Schadstoffe enthalten sind, summiert sich die Umweltbelastung enorm.

Hochgiftige Stoffe wie Arsen, Blei, Quecksilber oder Cadmium sind als Brennstoff und in der Treibladung von pyrotechnischen Produkten nicht mehr erlaubt, diese enthalten jedoch weiterhin Hexachlorbenzol, welches Lichteffekte verstärkt. Hexachlorbenzol gehört zum sogenannten „Dreckigen Dutzend“ und ist in anderem Kontext – nämlich als Fungizid – durch das Stockholmer Übereinkommen seit dem 22. Mai 2001 weltweit verboten. Auch eine parlamentarische Anfrage aus dem Jahr 2010 beschäftigt sich mit dieser Chemikalie (Originalzitat aus 9292/J XXIV. GP): „Zur Frage der Hintanhaltung von Schäden ist zu erwähnen, dass das BMLFUW (Anmerkung: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft) im Dezember 2009 gemäß den Überwachungsvorschriften des Chemikaliengesetzes 1996 (BGBl I 1997/53 idF BGBl 2009/88) österreichweit Untersuchungen von Feuerwerkskörpern (Raketen der Klasse II) durchführen ließ. Zusätzlich wurden auch vom Land Vorarlberg fünf Analysen vorgenommen. Grund dafür waren Hinweise aus Dänemark, wonach dort bei entsprechenden Feuerwerkskörpern der Stoff Hexachlorbenzol (kurz: HCB) nachgewiesen wurde. Dieser unterliegt gemäß der EU-Verordnung EG Nr. 689/2004 über persistente organische Schadstoffe (kurz: POP) einem Totalverbot.“

Zu einer Anfrage von Wilfried Gombocz, einem Landwirt aus dem südoststeirischen Bad Radkersburg, hinsichtlich der durch Feuerwerke entstehenden Umweltverschmutzung erfolgte am 13. Oktober dieses Jahres eine uns vorliegende Stellungnahme des Österreichischen Innenministeriums. Das BMI verweist in dieser Antwort darauf, dass in den EU-Richtlinien kein generelles Verbot pyrotechnischer Gegenstände vorgesehen ist, jedoch ausschließlich zertifizierte pyrotechnische Artikel in den Handel gelangen dürfen. Nach Meinung des Innenministeriums würde ein Verbot lediglich dazu führen, dass Feuerwerksartikel illegal hergestellt oder importiert würden.

Bezüglich der sich in diesem Kontext aufdrängenden Frage des Umweltschutzes weist das zuvor von Herrn Gombocz kontaktierte Ministerium für Klimaschutz und Umwelt mit der Begründung, das Pyrotechnikgesetz unterliege dem BMI, jegliche Zuständigkeit von sich. Das Ministerium für Inneres leider auch – und wälzt im selben Atemzug die Verantwortung auf Bund, Land und Gemeinden ab: „Im Pyrotechnikgesetz 2010 finden sich aus kompetenzrechtlichen Gründen keine Umweltschutzbestimmungen. Die Durchführung von Feuerwerken kann neben dem Pyrotechnikgesetz 2010 aber noch weiteren bundes-, landes- und/oder gemeinderechtlichen Vorschriften unterliegen.“ (Originalzitat)

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Von dieser eher zahnlosen Gesetzgebung kann auch Helmut Rosenthaler, besser bekannt als „Storchenvater“, ein Lied singen. Auf seiner Storchenstation in Tillmitsch betreut er seit mehr als 30 Jahren verletzte, kranke oder flugunfähige Störche; manche der Tiere bleiben auch dauerhaft auf seinem Hof. Silvester ist für Helmut Rosenthaler ein rotes Tuch, wenn es um das Abfeuern von Silvesterraketen geht. Trotz massiven Vorkehrungsmaßnahmen in Form von starker Beleuchtung, damit die auf seinem Hof lebenden Tiere sehen, dass ihnen vom Boden her keine Gefahr droht, und seiner persönlichen beruhigenden Anwesenheit sterben fast jedes Jahr Tiere, weil sie in Panik geraten, sich dabei verletzen und/oder nach ihrer Flucht nicht mehr auffindbar sind.

Im Umkreis von 500 Metern um seine Storchenstation sind Feuerwerke genehmigungspflichtig; dass aber eine solche Auflage zumindest versuchsweise auch umgangen werden kann, hat er selber bereits erfahren. Eine Nutzung der ehemaligen Schottergruben als Test- und Vorführgelände für Feuerwerkskörper konnte der unermüdliche Kämpfer erfolgreich und dauerhaft abwenden. Manche Menschen stehen dem Storchenvater feindselig gegenüber; sie betrachten ihn als Spielverderber und sehen dabei nicht, dass sein Wirken für die Natur auch den Menschen zugutekommt.

Mittlerweile hat sich die Unsitte verbreitet, dass bereits um Weihnachten herum und über Silvester hinaus Feuerwerkskörper verschossen werden; das bereits bestehende weitreichende Verbot, pyrotechnische Artikel bestimmter Klassen im Ortsgebiet zu zünden*(siehe Link unten), ist nicht oder nur schwer exekutierbar, da sich die jeweiligen Urheber kaum ausfindig machen lassen.

Während des Gesprächs mit Helmut Rosenthaler kommt ein Anruf der FF Bad Radkersburg herein, die sich bei ihm erkundigt, wie es jenem Storch geht, der zwei Tage zuvor in weitgehend flugunfähigem Zustand mit vereinten Kräften gerettet werden konnte. Dem Storch geht es jedenfalls gut, er erholt sich zusehends, und es macht Freude, dem Storchenvater zuzuhören und seine Begeisterung für das, was er mit Leib und Seele tut, zu spüren. Helmut Rosenthaler äußert frei von der Leber weg, was er sich wünscht: Schon ein Teil der Unsummen an Geld, die in Österreich jedes Jahr für Feuerwerkskörper ausgegeben werden, wäre für soziale Einrichtungen sowie Natur- und Tierschutzorganisationen eine große Hilfe.

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Wir alle wissen, dass sich der Handel seit Jahren gegen ein generelles Verbot von Privatfeuerwerken sträubt; argumentiert wird hier mit drohenden Umsatzeinbußen im Millionenbereich. Wer sich dieser Argumentation anschließt, sollte jedoch auch die jährlich durch Feuerwerkskörper entstehenden Schäden gegenrechnen. Abgesehen von Bränden und Beschädigungen, welche Häuser, Scheunen, Fahrzeuge und andere Sachwerte in Mitleidenschaft ziehen, muss auch ein Umdenken stattfinden, wenn es um sichtbare und unsichtbare Schäden an der Natur geht. Eine der Aufgaben einer funktionierenden Demokratie besteht darin, verbindliche Regeln für das Zusammenleben zu schaffen, um ihre Bürger*innen zu schützen und Schäden an Mensch und Natur zu verhindern. In diesem Sinne appellieren wir als Naturschutzorganisation der ersten Stunde an unsere politischen Entscheidungsträger, die Gesetzeslage zum Wohl von Mensch und Natur in Richtung eines generellen Verbotes von Privatfeuerwerken zu ändern! (26.11.2020)

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Quelle des Zitates der parlamentarischen Anfrage:
https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/J/J_09292/fname_231163.pdf

Quelle der aktuellen Gesetzgebung, pyrotechnische Artikel betreffend:
https://www.oesterreich.gv.at/themen/freizeit_und_strassenverkehr/silvesterknaller_feuerwerkskoerper.html

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