Der Cistensänger - Seltener Singvogel auf den Rosswiesen im Ennstal

© Cistensänger, Heinz Kolland

Für Nichtornithologen ist der Name Cistensänger/Zistensänger (Cisticola) wahrscheinlich kein Begriff. Er kommt normalerweise auch bei uns fast nicht vor. Wenn man auf Ornitho, der größten ornithologischen Online-Datenbank Österreichs, eine Suche nach dem Cistensänger/Zistensänger (Cisticola juncidis) startet, findet man neben dem neuen Fund auf den Naturschutzbundflächen der Rosswiesen in Aigen im Ennstal, nur ein paar Einträge aus dem Raum Bodensee (2015 und 2016). Aufgrund der Seltenheit und des Vorkommens dieses Tieres auf Naturschutzbundflächen hat mich unser Gebietsbetreuer, Gerhard Schmiedhofer gebeten, diesen Fund auch den Nichtornithologen in unserer Runde mitzuteilen.

Für mich als Erstnachweiser an diesem Standort ist diese Entdeckung als solches sehr schön; aber Vögel fliegen nun einmal herum und können überall einmal landen, was „Gott sei Dank“ in den Rosswiesen sehr oft und sehr vielfältig passiert. Vögel sind für mich Sekundärerscheinungen aus den Maßnahmen, die wir in unserer Kulturlandschaft setzen. Dies ergibt für verschiedene Tierarten ein Futter- und Brutplatzangebot, das verschiedenen Habitatsansprüchen entspricht oder auch nicht. Eine echte Naturlandschaft gibt es vor allem in Tallagen fast nicht mehr. Wir haben beim Naturschutzbund Ennstal/Ausseerland viele Maßnahmen für die Vogelwelt probiert und umgesetzt. Sehr oft mit Erfolg, wie der dauerhafte Bestand und die Brut von Wachtelkönig und Braunkehlchen auf den Naturschutzbundflächen in unserer Region zeigen. Wir haben aber auch viele Sitzwarten für Braunkehlchen aufgestellt, wo nie ein Braunkehlchen gesichtet wurde. Letztlich entscheidet der Vogel, ob das von uns angebotene Gebiet seinen Ansprüchen entspricht oder nicht. Das ist für mich neben der Erstentdeckerfreude die größere Freude, dass unser Angebot und unser Arbeitsergebnis von einem seltenen Vogel als optimal empfunden und angenommen wird. Wo wir dieses Angebot noch nicht optimal gestaltet haben und die Habite noch nicht so angenommen werden, gibt es weitere Arbeit auf den Naturschutzbundflächen, die noch auf uns wartet.

Wenn man bei SVENSON die Beschreibung des Cistensängers/Zistensängers (Cisticola) „klein, rundlich und kurzschwänzig, sandbraun und dunkel gestreift“ liest, merkt man, dass es ein sehr unscheinbarer Vogel ist. Dieser brütet laut SVENSON in warmen Gegenden (Ennstal?) auf offenem Gelände mit hohem Bewuchs, wie es die Rosswiese bietet. Typisch ist sein lauter Flugruf, der meiner Meinung auch eine leichte Ähnlichkeit mit dem „dzip“ des Sperlings hat, aber in anderer Folge und vor allem im Flug gesungen wird.

Zu meinem Erstnachweiß dieses Vogels möchte ich auch noch folgendes sagen. Der Cistensänger/Zistensänger (Cisticola) ist ein SINGVOGEL wie viele andere Vogelarten auch. Wir haben jedoch leider verlernt neben den vielen Tönen aus den verschiedenen elektronischen Medien dem Singen der Vögel zuzuhören. Ich selbst befinde mich gerade in einer Lernphase, das Singen dieser tollen Tiere wieder hören zu lernen. Wenn ich etwas nicht kenne, zeichne ich es mit meinem Recorder auf, was ich gottseidank bei diesem seltenen aber unscheinbaren Piepsen gemacht habe, weil ich es nicht kannte. Dem Spezialisten Sebastian Zinko war beim Abspielen dieser Tonfolge schnell klar, dass es sich hier um einen sehr seltenen Gast handelt und dies ein Erstnachweis ist. Für diese Identifikation möchte ich Sebastian danken, dass er uns bei solchen Spezialfällen immer wieder sein GEHÖR schenkt. Einen derartig kleinen, relativ unscheinbaren Vogel wie den Cistensänger kann man fast nur durch das Hören und Erkennen seiner Melodie entdecken. Wenn man dann auch noch viel Glück hat, kann man ihn vielleicht auch sehen und möglicherweise fotografieren, was Heinz Kolland, Sebastian Zinko und einigen anderen inzwischen schon gelungen ist.

Wenn wir die Artenvielfalt, von der heute alle reden, erleben wollen, sollten wir nicht nur offene Augen für die Natur haben, sondern auch die Erweiterung dieser Vielfalt in einer zusätzlichen Dimension des Hörens in der Natur erfahren lernen.

K. Krimberger, H. Kolland

Hörprobe des Cistensänger

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