Die Hitzefarben des Waldes
Besorgniserregende Farbtupfer in gestressten Wäldern
Graz, 07. August 2026: Unsere Wälder sind derzeit bunter als je zuvor. Die Graz umgebenden Hügel zeigen herbstliche Röte der Rotbuchen, verteilt in der ganzen Steiermark, aber vielerorts sieht man gelb gefärbte Birken, die Linden strahlen fahlgrau aus dem gewohnten Waldesgrün der Oststeiermark. Manche Erlen und allzu viele Eschen verlieren landesweit vorzeitig ihr Laub. Der Wald zeigt seine Schwachstellen gegenüber Hitze und Trockenheit.
Unsere Wälder zeigten sich im Klimawandel bisher überraschend resilient. Nun zeigen sich neben der Brandanfälligkeit aber zumindest punktuell bis lokal Schwächen, je Baumart unterschiedlich. „Schauen Sie sich mal in ihrer Umgebung die Zustände einzelner Bäume an!“ Wäre es jetzt Anfang November, dann würde die herbstliche Verfärbung mancher exponierter Laubbäume gewohnt erscheinen. Jetzt aber, zu Augustbeginn, sind es neben einem verbreiteten außerordentlichen Massenfruchten auch kränkliche Verfärbungen in unseren Wäldern – bedingt durch Trockenheit und Hitzestress.
Betrachtet man im Süden, aber vor allem im Osten Österreichs exponierte Bergrücken, auch Streuobstbestände sowie Bäume und Sträucher am Straßenrand, kann man zumindest lokal meinen, es beginnt zu herbsteln. Leider sind manche der ungewohnt bunten Farbtupfer in der Waldlandschaft keine Anzeichen jahreszeitbedingter Herbstlichkeit, sondern unterschiedliche Zeichen einer kränkelnden Waldnatur.
Im Gelb leuchten vielerorts – z.B. um St. Michael - einzelne Birken hervor, insbesondere jene, die über trockene Felsen oder Schotterkörper stocken. Diese für Birken bisher üblichen Standorte sind nun besonders ausgetrocknet. Bei genauerer Betrachtung stehen manche Birken neben ihren gelben Brüdern lautlos da – bereits abgestorben.
Fröhlicher wirken die roten Farbtupfer der Ebereschen. Sie sind heuer besonders reich an jetzt grellroten Früchten – bis zu 300 nebeneinander reifend. Daneben aber verfärben sich auch die Blätter mancher Ebereschen in ein herbstliches Rot und fallen ab. Es sind insbesondere die fruchtreichsten Ebereschen, die derzeit für ihre Blätter kaum noch Feuchtigkeit zur Verfügung stellen können.
Auch manche Kirschbäume verfärben sich jetzt schon anfangs gelb, um schließlich rote Blätter kurz vor dem Laubfall weithin herzuzeigen. Der Laubfall der Kirschbäume ist zwar gewohnt der erste, sollte aber frühestens Anfang September einsetzen.
Einen dunkelroten bis dunkelbraunen Farbton zeigen Rotbuchen, vor allem durch ihre heurige Überfülle an Samenkapseln, die sich reifend rotbraun färben. Betrachtet man die Hügelkette westlich von Graz, so beginnt diese flächig rotbraun zu erscheinen. Die Rotbuchen leiden unter Hitze und Wassermangel und lassen daher die zuoberst der Krone befindlichen Blätter verwelken, sich in Rotbraun verfärben und schließlich abfallen. Nicht alle Rotbuchen folgen diesem Trend, und auch jene mit rotbraunen Wipfelblättern sind nicht zur Gänze herbstlich gestimmt. Es sind oft nur die obersten Kronenbereiche, die sich von ihren Blättern verabschieden – darunter sind die Rotbuchenwälder noch resilient grün.
Deutlich heller, nämlich gelblich-grün, erstrahlen in diesem Jahr die Linden. Massenblütig verfärben sich die sogenannten Lindenblüten – allmählich gelblich und schließlich ins Braun übergehend. Aufgrund der Masse der Lindenblüten erscheinen ganze Linden wie hellgelbe Farbtupfer in den Wäldern und überstrahlen das Grün sonstiger Laubbäume.
Problematischer ist das fehlende Grün unzähliger Baumkronen der von Pilzen befallenen Eschen. In vielen großen Eschen fehlen in den obersten Bereichen die gefiederten Blätter. Das Rücksterben der Außenzweige beruht auf der Negativwirkung eines Becherling-Pilzes, der die Wasserleitungen in den Stämmen verstopft. So kann man derzeit Abertausende Eschen mit soeben verdorrendem Laubwerk beobachten – möglicherweise der letzte Sommer ihres Lebens.
Am extremsten verändern Miniermotten die Blätter der Rosskastanien, die sich von Grün auf Grellgelb bis Dunkelbraun verfärben, wodurch manche Kastanien ihr gesamtes Laubwerk vorschnell verlieren können.
Etwas täuschend ist die Verfärbung der meisten Bergahorne. Sie sind ähnlich wie die Linden voller Flügelfrüchte, die je nach Einzelbaum von Hellgrün bis Hellgelb, ja sogar Bläulich, gefärbt sein können. Manche der fruchtreichsten Bergahorne tragen mehr Früchte als Blätter. Im städtischen Bereich haben die Bergahorne offensichtlich ein Problem mit der städtischen Hitze, aber auch mit dem Streusalz – ihre Blätter werden von blattrandigen Nekrosen dunkelgrau gefärbt.
Auch die Hainbuchen tragen heuer ein in die Hunderttausende gehendes Früchtennetz auf jeden einzelnen Baum, wodurch auch sie in ein helleres Grün verfärbt sein können – jedoch hoffentlich ohne klimawandelbedingte Ursachen.
Entlang der Bachränder sind seit Jahren in Tieflagen die Schwarzerlen, in höheren Lagen die Grauerlen in Bedrängnis. Zu Hunderttausenden sind sie in den letzten Jahren an Gewässeränder mit grauem Blattwerk abgestorben und schützen somit die Ufer nicht mehr. Noch problematischer betreffend Muren in Gebirgslagen, kann das deren Blätter grau verfärbende Triebrücksterben der Grünerlen sein. Die Grünerlensträucher halten oberhalb der Waldzone enorme Mengen an Geröll zurück. Von Weißfäule befallen, zerbrechen ihre Gebüschsäume als morsches Holz und geben daher Unmengen an Felsgeröll frei. Bei lokalen Gewittern kommen diese Geröllmassen großflächig ins Rollen und ergeben Ausgangspunkte für Muren größeren Ausmaßes.
Es sind alarmierende Farbtupfer in der Landschaft – denn noch ist nicht gesichert, ob die Laubbäume und ihre Blätter nur den Herbst vorverlegt haben oder ob sie auf Dauer geschädigt bleiben?
Auch die Nadelbäume haben auch ihre spezifischen Klima-Probleme! Allzu viele Lärchen tragen eine schütteres fahles Nadelkleid. Unzählige Föhren zeigen von Schneebruch geschädigte dunkelbraune Kronenäste. Standortwidrige Fichtenmonokulturen sterben seit Jahren. In städtischen Bereichen sind innerhalb weniger Jahre allzu viele Zierfichten und Exotentannen abgestorben. Und selbst die robusten Thujenartigen zeigen heuer durch ihre Trockenheitsempfindlichkeit viele graue Äste.
Fotos © Johannes Gepp, Naturschutzbund
Dieses und weitere Fotos in Druckqualität für Medienveröffentlichungen honorarfrei zum Download: https://www.naturschutzbundsteiermark.at/bilder-download.html
Rückfragehinweis:
Johannes Gepp, Naturschutzbund Steiermark, Tel.: 0664/3923048, E-Mail: j.gepp@naturschutzinstitut.at