Das ist eine Käferlarvenburg

Eine Käferlarvenburg ist eine Baut aus Totholz, welche zahlreichen holzbewohnenden Larven von verschiedenen Käfern und vielen weiteren totholzbewohnenden Tieren, Pflanzen und Pilzen als Lebensraum dient.

Zu den holzbewohnenden (= xylobionten) Käfern zählt man alle Käfer, die in einer ihrer Lebensphasen auf Holzsubstrat angewiesen sind. Es wird unterschieden zwischen Insekten die sich von frischem Holz (xylophag) und von morschen Totholz (saproxylophag) ernähren. Zweitbesiedler nutzen die von den Xylophagen geschaffene Hohlräume, z.B. Gänge, als Jagdrevier oder Brutplatz. In Mitteleuropa wurden bis heute ca. 8000 Käferarten nachgewiesen, darunter 1340 xylobionte Arten. Rund die Hälfte der xylobionten Käfer steht auf der Roten der gefährdeten Tiere. Dass so viele holzbewohnende Käfer als gefährdet gelten, deutet darauf hin, dass die benötigten Strukturen und Lebensräume stark gefährdet sind.

Ab einem Totholzanteil von 30 m3/ha geht man davon aus, dass der größte Teil der im Gebiet möglichen xylobionten Arten mit einer stabilen Population vorkommen kann. In den Wirtschaftswäldern Europas wurden im letzten Landesforstinventar jedoch nur durchschnittlich 4.9 m3/ha Totholz registriert.

Nicht nur die Menge an Totholz im Wald spielt für die Biodiversität eine Rolle, sondern auch der Standort des toten Holzes und dessen Zersetzungsgrad. Eine abgestorbene Buche bietet in den ersten beiden Jahren z.B. für den Schrot-Zangenbock (Rhagium mordax) ideale Entwicklungsbedingungen und erst Jahre später, wenn der Zersetzungsprozess bereits fortgeschritten ist, eine optimal nutzbare Ressource z.B. für den Balkenschröter (Dorcus parallelopipedus).

Je nach Baumart schwankt die Artenzahl der xylobionten Käfer. Die Eiche gilt als die „artenreichste“ Baumart. Sie beherbergt bis zu 650 holzbewohnende Käferarten, während auf der Buche 240 verschiedene Käfer zu finden sind.
Eine vielfältige Käferfauna wird durch Licht und Besonnung, aber auch durch eine hohe Blütenvielfalt in angrenzenden Waldrändern und Wiesenlichtungen begünstigt. Der Grund liegt darin, dass die adulten Käfer oft Blütenpollen und Nektar fressen. Diese benötigen die Weibchen u. a. für die Produktion ihrer Eier.

Käferlarvenburgen speziell für den EU-geschützten Europäischen Hirschkäfer (Lucanus cervus)

© Frank Weihmann

Nach der Paarung legt das Weibchen zw. 50 und 100 Eier, 30 bis 50 cm tief in den Boden, vorwiegend an die morschen Wurzeln von toten oder kranken Bäumen. Die Larven, welche sich im Verlauf ihrer Entwicklung zweimal häuten, entwickeln sich im Holz der Wurzeln, Stümpfen und Stämmen, wo sie sich von in Zersetzung befindlichem, morschem, feuchtem, verpilztem Totholz, insbesondere von Eichen, jedoch auch von Linden, Buchen, Ulmen, Pappeln, Eschen, Weiden oder Obstbäumen, ernähren. Die cremefarbenen Larven benötigen je nach Qualität des Holzes zwischen drei bis fünf, Jahre für ihre Entwicklung und werden bis zur letzten Häutung oft über 11 Zentimeter groß. Die Larven verpuppen sich in einer faustgroßen Kammer, etwa 20 cm tief im Erdboden. Eine Besonderheit der Larven ist: sie besitzen an ihren Mittel- und Hinterbeinen ein Stridulationsorgan mit dem sie Laute (Frequenz 11 kHz) erzeugen können. Die Funktion der Lautäußerung ist noch ungeklärt.

Biotopmanagement
Biotopmanagement umfasst die Planungen zur Erhaltung und die Pflege von Schutzgebieten oder schützenswerten Landschaftsteilen. Diese werden in sogenannten Pflege- und Entwicklungsplänen (PEP) schriftlich festgehalten. PEPs werden unter Berücksichtigung der örtlichen biotischen und abiotischen Ausgangsbedingungen ausgearbeitet.
Ziele sind die Erhaltung der im Gebiet typischen Pflanzen- und Tierbestände, besonders der gefährdeten Arten, und der Schutz, die Verbesserung und Sanierung ihrer Lebensräume, sowie die Wiederherstellung der Eigenart, Vielfalt und Schönheit der Landschaft.

Beetle Conservation Project
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BIOPHILIA
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