Was ist eine Käferlarvenburg?

© Frank Weihmann

Eine Käferlarvenburg ist ein Konstrukt aus Totholz, welches zahlreichen holzbewohnenden Larven von verschiedenen Käfern und vielen weiteren totholzbewohnenden Tieren, Pflanzen und Pilzen als Lebensraum dient.

Was ist unter Totholz zu verstehen? Totholz umfasst sowohl einzelne abgestorbene Äste an (alten) Bäumen als auch abgestorbene, noch stehende oder umgefallene Bäume oder Teile davon. Totholz ist auch als Teil vom sogenannten Biotopholz zu verstehen.

Als Biotopholz werden lebende und abgestorbene Holzbereiche bezeichnet, die u. a. nach Schwächung oder Schädigung, z. B. durch holzzersetzende Pilze, von anderen Organismengruppen wie Insekten, Säugern und Vögeln besiedelt werden können. Biotopholz ist mehr als „nur“ Totholz, es umfasst Holz in all seinen „Erhaltungsformen" als Lebensraum für unterschiedlichste Organismen.

Stehendes Biotopholz ist ein ergänzender Lebensraum zu liegendem Biotopholz, im schattigen Wald. Es ist seltener und bietet mitunter eine größere Vielfalt an Standortfaktoren. Damit ist es ökologisch besonders wertvoll. Stehendes Biotopholz kann seinen Bewohnern und Besiedlern für mehrere Jahrzehnte zur Verfügung stehen. Während die Abbaudauer (abhängig von der Baumart) liegender, ganzer Bäume etwas 80 Jahre beträgt, beträgt die Abbaudauer von stehendem Totholz bis zu 150 Jahre.

Ein reiches Totholzangebot genügt jedoch nicht, um eine vielfältige Käferfauna zu erreichen. Licht und Besonnung spielen im ganzen System eine genauso wichtige Rolle. Ausreichend Totholz oder Blüten allein führen nicht zu einer Erhöhung der Käfervielfalt. Werden jedoch Totholz und Blütenangebot miteinander kombiniert, so erhöht sich die Anzahl der Arten zum Teil beträchtlich. Daher sollte im Nahbereich ein artenreiches, aus heimischen Pflanzen bestehendes Blütenangebot geschaffen werden.

Der Totholzanteil kann in Form von Wurzelstöcken, Astmaterial sowie liegenden und stehenden Stammstücken erhöht werden. Dabei sollte stehendes Totholz erhalten und vermehrt gefördert werden. Liegendes Totholz sollte möglichst an besonnten Stellen abgelagert und alle 3-5 Jahre „neues" Totholz zugeführt werden.

Käferlarvenburgen aus verschiedenen Laubbäumen sollen den Wert und die Besonderheit dieses wichtigen Lebensraumes, der immer mehr aus unseren heimischen Wäldern verschwindet, sichtbar machen. Sie können niemals Ersatz sein, lediglich ergänzen und zur Bewusstseinsbildung eingesetzt werden. So eignet sich die Errichtung einer Käferlarvenburg sehr gut für Schulklassen und Kindergruppen. Auch als Aktion mit jungen Erwachsenen ist die Errichtung einer Käferlarvenburg sehr gut als Werkzeug zur Förderung der Gruppendynamik geeignet.

Bauanleitung einer Käferlarvenburg

 

Mithilfe von künstlichen Biotopholzkonstrukten kann der Mangel an natürlichem Biotopholz, besonders in jungen Wäldern, über Jahre überbrückt und die Biodiversität gefördert werden.

Eine intakte Biodiversität wirkt sich positiv auf eine Vielzahl von Ökosystemfunktionen wie Bodenbildung, Wasserspeicherung etc. und Ökosystemleistungen wie Reinigung von Luft und Wasser, Klimaregulierung, Erosionsschutz, Erholung und vieles mehr aus. Das bedeutet, eine hohe Biodiversität fördert und unterstützt die gesunde Entwicklung junger Wälder.

Alternativ zu Käferlarvenburgen können auch Totholzpyramiden oder die Schaffung von einzelnen toten Bäumen in das Totholzmanagement integriert werden.

Totholzpyramiden bedeuten einen höheren technischen Aufwand, da größere Geräte (Traktor, Bagger, Kran) notwendig sind, hat aber den Vorteil, dass das fertige Konstrukt noch größer und für die Bewusstseinsbildung noch auffälliger ist. Auch sind sie langlebiger und bieten den verschiedenen Organismen über eine noch längere Zeit Lebensraum.

Für die Errichtung wird ein zentraler Stamm senkrecht, stabil in den Boden versenkt und 4-10 Stämme, so steil wie möglich, radiär um diesen angeordnet. Je mehr Äste die Stämme haben, desto besser kann man sie ineinander verhaken und umso stabiler wird die Pyramide.

     

Das Absterben von einzelnen Bäumen erfolgt durch das sogenannte Ringeln. Dabei werden Bast und Kambium (entspricht der „Rinde“ bis zum Holz) rund um den Stamm mit Axt oder Säge in einem ca. handbreiten Ring entfernt, sodass der Baum abstirbt und Jahre später zusammenbricht. Der Vorteil ist, dass so Totholz in vielen verschiedenen Dimensionen, vom dünnen Zweig bis zum dicken Stamm, geschaffen wird.

    

Egal ob Käferlarvenburg oder Totholzpyramide, eine Beschilderung mit den wichtigsten Informationen sollte immer dabei sein.

     

Der Naturschutzbund fordert daher:

Müssen im Rahmen von Bauvorhaben im Stadt- bzw. Gemeindegebiet alte heimische Bäume beseitigt werden, sollten diese als Biotopholz auf geeigneten Ausgleichsflächen genutzt werden. Die Verwendung für Hackschnitzel oder Feuerholz ist abzulehnen. So gehen diese oft viele Jahrzehnte alten Biotopbäume, die nicht selten bereits Höhlen aufweisen, nicht gänzlich verloren und können noch Jahrzehnte wichtigen Lebensraum darstellen. Die Kosten dafür müssen vom Bauträger übernommen werden.

Kontakt

Naturschutzbund Steiermark
Dr. Frank Weihmann
Herdergasse 3 | 8010 Graz
Telefon    +43 316 322377
frank.weihmann@naturschutzbundsteiermark.at
www.naturschutzbundsteiermark.at

Fotos: C. Frank Weihmann

Jänner 2024

 

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